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Baubericht aus Cape Coral: Tipps und Erfahrungen

Baubericht Builder1Juli bis September 2015

In Cape Coral wird viel gebaut - mittlerweile sehr viel. 1069 Bauanträge für Neubauten von Residential Homes (Einfamilienhäuser) wurden im Jahr 2015 von der Stadt genehmigt. Entsprechend viele Builder (Bauunternehmen) gibt es und zwar etwas mehr als 100 Stück. Wie soll man da um alles in der Welt den richtigen Builder herausfinden? Schon alleine die Erfahrung bei der Suche danach niederzuschreiben, versetzt einen in die Lage, gar nicht zu wissen, wo man anfangen soll.

Zunächst schaut man sich also auf den diversen Homepages um. Je besser diese aufbereitet sind, desto mehr bleiben die einzelnen Unternehmen im Gedächtnis. Dann spricht man mit den Leuten, die man so kennt. Diese wiederum kennen wieder jemanden selbst oder einen, der jemanden kennt. Man muss dazu wissen, dass hier in Amerika die Firmen wie Pilze aus dem Boden wachsen, sobald die Konjunktur anzieht. Genauso schnell verschwinden sie auch wieder, geht es mit ihr bergab. Im Moment haben wir einen ganzen Wald voller Pilze. Ich würde sagen, es gibt drei Wege den richtigen Builder zu finden:

Der einfache Standard-Weg

Man schaut sich die einzelnen Floorpläne (Grundrisse) an, die jeder Builder so hat und sucht sich einen passenden aus. Dazu gibt es eine Specification-List (Leistungsverzeichnis), die ganz genau beschreibt, welche Materialien verbaut werden. Passen diese zu den jeweiligen Vorstellungen, bekommt man schnell einen Preis, weil das Haus ja schon mal gebaut wurde. Nach Vertragsunterzeichnung findet eine sogenannte Colorsession statt, bei der dann die Farben der Materialien festgelegt werden und der Bau kann beginnen. Der Amerikaner geht nach Fertigstellung solch eines Hauses gerne in „Rooms to go“ und wählt sich die bis ins letzte Bild an der Wand ausgewählte Raumausstattung aus, das Möbelhaus baut diese daheim auf und es kann eingezogen werden.

Der gewöhnliche „Custom Home“-Weg

Man schaut sich die einzelnen Floorpläne der Builder an und sucht sich einen passenden aus – soweit nichts Neues. Dann verschiebt man ein paar Wände und nimmt ein paar Upgrades in der Specification-List vor wie beispielsweise Dachziegel statt Dachschindeln oder Salzwasser- statt Chlorwasserpool. Bei der Colorsession entscheidet man sich für die Level 3 statt Level 1 Granitplatte usw. Der Builder weiß genau, was er preislich zu seinem Standardprogramm aufrechnen muss und man bekommt schnell ein Angebot. Es folgen Rooms to go, „U-Haul“ (Miettransporter) fertig.

Der ungewöhnliche Custom Home Weg

Baubericht Builder2Das sind wir. Wir möchten ein modernes Haus, welches auf ein Nichtstandard-Lot (Grundstück) passt und weder ein typisches Ferienhaus, noch ein typisches Residential Home (Einfamilienhaus) ist. Es gab bis etwa Mitte 2015 einen Builder in Cape Coral, der besonders für Deutsche europäisch moderne Häuser gebaut hat. Schon lange bevor wir überhaupt das Grundstück hatten, war er der Bauunternehmer unserer Wahl. Leider oder besser Gott sei Dank hat er aber kurz vor unserer erneuten Einreise Insolvenz angemeldet und mehrere – ich nenne sie mal – Weiße-Boxen-Häuser unvollendet stehen gelassen.

Weiße Boxen deshalb, weil sie alle gleich aussahen: weiß angemalt mit dunklem Dach. Auch wenn der Baustil an sich uns sehr gefällt, finden wir die Farbauswahl etwas langweilig. Aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten. Das Problem für die vom Builder mit unfertigen Häusern in Stich gelassenen Leidtragenden war bei vielen, dass sie mit großem Koffer voller Geld Verträge mit ihm abgeschlossen hatten und nun bereits bezahlte Leistungen erneut in Auftrag geben mussten. Nicht nur, dass das doppelte Kosten verursachte, sondern die Armen mussten erst einmal jemanden finden, der das Stückwerk fertig baute. Wir erinnern uns: In Cape Coral wird viel gebaut.

Selbst ist der Bauherr

Wir wollten also so ein modernes Haus im neuen Gewand nämlich im karibischen Stil – etwas Individuelles sozusagen. Zunächst besuchten wir vier Model Homes, der sich Custom Home Builder nennenden einschlägigen bekannten Bauunternehmen. Im ersten Model Home zählte uns die Mutter des Chefs sämtliche Vorzüge ihrer sehr beschäftigten Kinder in aller Ausführlichkeit auf. Im zweiten wurden wir über die Firmenphilosophie unterrichtet und mit den Floorplänen, die wir ja schon studiert hatten, noch vertrauter gemacht. Beim dritten sprach die Maklerin wie beim zweiten auch deutsch. Sie empfahl uns gleich ein paar andere Builder, weil ihre Preisklasse wohl nicht zu uns passen würde. (Wir scheinen eine ärmliche Ausstrahlung zu haben). Und überhaupt würde man hier sehr viel Wert auf deutsche Qualität legen, schließlich käme man von dort (eh... wir auch).

Das Bild auf der Visitenkarte der Dame im vierten Haus stammte noch aus den siebziger Jahren. Wenn der Bauunternehmer auch aus dieser Zeit stammt, wird es sicher nichts mit dem modernen Haus. Die Erkenntnis aller vier Besuche: keine und das Wissen darum, dass wir gar nichts wissen. Keiner nahm uns an die Hand. Also was haben wir? Ein versprochener Rückruf zwecks Terminvereinbarung von der Schwiegertochter. Die Ansage, wir müssen erst für 1500 Dollar einen Plan zeichnen lassen, ehe wir ein Angebot bekommen können – coole Geschäftsidee. Wir haben erklärter Maßen zu wenig Geld oder wenn man es nett betrachtete: Ihr seid zu nett, um abgezockt zu werden. Und last but not least wollten wir nicht das Risiko eingehen, das letzte Haus vor der Pension gebaut zu bekommen.

Da beißt sich die Katz in den Schwanz

Baubericht Builder3Ein paar Tage später folgte der Terminanruf, freiwillig aber nicht umgehend mussten wir zuvor ein paar Mal nachhaken. Die Chefin war sehr interessiert an uns, wollte schon am Telefon alles genau wissen, welche Räume wo, wie groß, wie hoch, wieviel Budget..... Als wir dann zum Termin kamen, erhielten wir zunächst umfassend Auskunft, welche Köstlichkeiten und Nettigkeiten die aktuellen Kunden immer aus Deutschland mitbrächten. Vom deutschen Bier bis zum leckeren Baumkuchen war hier alles dabei. Nebenbei zeigte sie uns einen Grundriss, auf dem unsere Antworten des Telefonats bereits praktisch umgesetzt waren und eine ziemlich detaillierte Preisliste.

Ab jetzt bräuchte man erst einen Plan, der nur mit Deposit angefertigt werden könne. Pool und Seawall sollte man besser selbst organisieren, dann würde man die jeweils 3000 Dollar sparen, die sie für diese Dienstleistung verrechnen würde. Ach ja und ihr Mann ist der erste weit und breit gewesen, der mit CAD arbeitet. Dass diese Neuland-Technik schon im Südwesten Floridas angekommen ist. Wir sollten erst viel später erfahren, dass dies wirklich eine Innovation zu sein scheint. Zumindest hatten wir nach diesem Termin eine ungefähre preisliche Vorstellung, wohin die Reise geht.

Nun brauchten wir Gegenangebote. Mühevoll begaben wir uns im Internet auf die Suche weiterer Anbieter. Den Grundriss, der schon mal im CAD erstellt wurde, uns aber keinesfalls gefiel, veränderten wir so, dass zumindest die Anordnung der Räume und die Gesamtfläche unseren Vorstellungen entsprach. Inzwischen sind wir zudem auf ein Tool gestoßen, dass die einzelnen Builder nicht nur bewertet, sondern auch aktuelle Bauvorhaben auflistet mit Preis und allem Pipapo. Wir besuchten weitere ausgewählte Model Homes bzw. Bauunternehmen. Doch meist hieß es: „Wir müssen erst einen richtigen Plan zeichnen, sonst können wir nicht kalkulieren.“ Und der kostet Geld. Das ist wie mit der Katz und ihrem Schwanz oder der Hanne und dem Ei: Ohne professionellen Floorplan gibt es kein Angebot und ohne Angebot keinen Vertrag und damit keinen professionellen Floorplan. Wer immer unseren beschwerlichen Weg gehen möchte, dem sei heute gesagt: Sucht euch einen unabhängigen Architekten, lasst euch einen Plan zeichnen und lasst euch dann Angebote geben. Wenn ihr Glück habt, bekommt ihr welche, aber nicht von jedem.

Während unserer Überlegung, ob dieser Weg nicht erfolgreicher ist, empfahl uns ein Bekannter einen Unbekannten. Dieser Bauunternehmer habe sein eigenes Haus zur großen Zufriedenheit gebaut. Man müsse ihm nur alles sagen, dann würde er es genauso machen. Wir trafen uns also mit ihm an seinem heimischen Küchentisch. Schon 25 Jahre im Baugeschäft tätig möchte er sich jetzt selbst etablieren. Er machte auf uns einen seriösen, fachkundigen Eindruck. Das fehlende Model Home und der nicht vorhandene Wasserkopf ließen auf ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis hoffen. Das eine Woche später eintreffende Angebot bestätigte das. Überglücklich setzen wir uns in den Flieger zurück nach Deutschland. Wir hatten unseren Builder gefunden. Glaubten wir.


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