Hurricane Ian | Ein Erfahrungsbericht, den wir nie schreiben wollten

Hurricane Ian 28.09.22 Cape Coral
Hurricane Ian war einer der schwersten Hurricanes im Südwesten von Florida.

Hurricane Ian war der schwerste Sturm, den wir in Florida selbst erlebt haben. Wir waren während Ian in unserem Haus in Cape Coral und berichten, wie die Vorbereitungen liefen, was während des Sturms geschah und wie die Situation danach war. Unser Erfahrungsbericht soll keine Angst machen, sondern besonders Urlaubern helfen, die unerwartet mit einer solchen Situation konfrontiert werden. Dazu geben wir die wichtigsten Erkenntnisse und praktischen Tipps aus eigener Erfahrung weiter.

Hurricane Ian 2022 – Das Wichtigste aus unserer Erfahrung

  • Nicht auf die exakte Track-Linie der Wetterberichte verlassen.
  • Evakuierungszonen ernst nehmen.
  • Ein neues Haus ist kein Schutz vor Sturmflut.
  • Der zweite Teil nach dem Auge kann schlimmer wirken als der erste.
  • Nach dem Sturm sind Strom, Internet, Benzin und Reparaturfirmen das nächste Problem.

Die Ankündigung von Hurricane Ian

Atemberaubender Sonnenuntergang in Florida
Wir freuten uns schon auf die atemberaubenden Sonnenuntergänge in Florida.

Wir haben in den vielen Jahren, in denen wir nach Florida kommen, schon häufiger Stürme erlebt. Neben einigen Tropenstürmen war bislang Hurricane Irma der schlimmste. Als das erste Anzeichen von Ian über das Hurricane Center verbreitet wurde, waren wir gerade in Deutschland. Wir genossen das Oktoberfest und den Altweibersommer. Am 24. September hatten wir noch ein großes Familienfest. Für den 27. September hatten wir schon lange ein Flugticket nach Florida und freuten uns schon auf den Sunshine State. Dann kam Ian.

Von Tag zu Tag wurden die Prognosen deutlicher. „Möglicherweise…“, „Vielleicht…“, „Dies könnte…“, „Wahrscheinlich.“ usw. verkündeten die Wettermoderatoren von Wink News und anderen Wetterportalen zunehmend besorgniserregender. Als sich der Tag des Eintreffens an Land in der Tampa Bay Gegend, zeitweise sogar in Richtung Big Bend herauskristallisierte, entschieden wir uns kurzerhand, den Flug einen Tag vorzuverlegen, damit wir unsere sieben Sachen im Outdoorbereich noch in Sicherheit bringen und uns etwas vorbereiten können. Ein Fehler, wie wir später feststellen werden! Zu diesem Zeitpunkt deutete der prognostizierte Kern des Hurricanes weiter nach Norden, obwohl Südwestflorida bereits offiziell gewarnt wurde.

Am Abend des 26. September landeten wir in Fort Myers. Auf der Fahrt vom Flughafen nach Hause sahen wir bereits die langen Schlangen vor den Tankstellen. Sonst war alles noch relativ normal. Während dieser Zeit befand sich Ian bereits südöstlich von Westkuba. Er war nun ein Hurricane der Kategorie 2 mit 100 mph (Miles per Hour) und verstärkte sich schnell. Am 26. September abends galt Tampa Bay noch als wahrscheinlichere Zielregion des Zentrums.

Vorbereitung und Prognosen

Für Cape Coral und Lee County bestand bereits eine ernste Warnung: Hurricane Watch zwischen Bonita Beach und Englewood, Tropical Storm Warning, Storm Surge Warning für praktisch die gesamte Westküste bis Flamingo. Für den Küstenabschnitt Englewood bis Bonita Beach einschließlich Charlotte Harbor wurden bereits 4 bis 7 ft (Fuß) Sturmflut prognostiziert. Südlich von Bonita Beach 3 bis 5 ft. Das NHC bezeichnete den Abschnitt von Fort Myers bis Tampa Bay ausdrücklich als Gebiet mit dem höchsten Sturmflutrisiko. Um 23 Uhr hatte Ian bereits 105 mph und über dem Golf wurde eine Verstärkung auf Kategorie 4 prognostiziert mit anschließendem schweren Hurricane beim Erreichen der Westküste.

Am nächsten Tag bereiteten wir uns vor. Unser Haus befindet sich direkt am Wasser in Nordwest Cape Coral. Und in diesem besonderen Fall: Leider haben wir auch ein Boot. Der Kanal zählt zu den bekannten, künstlich angelegten 640 km Wasserstraßen, die Zugang zum (damals noch) Golf von Mexiko haben. Unser Boot musste am Bootsdock gesichert werden, alle Abdeckungen entfernt und alle losen Teile ebenfalls. Die Nachbarn waren – sofern sie eines hatten – mit der Abnahme der Canopies/Bootsdock-Überdachungen beschäftigt – wir hatten zum Glück keins. Alle Möbel und Gegenstände im Außenbereich brachten wir in Haus und Garage. Die Türen vom Pool Cage wurden zur Entlastung ausgehängt, damit der Wind durchblasen kann.

Auch die Vorbereitungen der Behörden und Menschen waren noch in vollem Gange, gingen aber bereits auf ihr Ende zu. Die Supermärkte hatten kein Trinkwasser mehr, die Regale mit haltbaren und verzehrfertigen Lebensmitteln waren so gut wie leergeräumt und das Benzin war bereits knapp, so dass sich vor vielen Tankstellen noch längere Schlangen bildeten.

Wir hatten noch eine andere Sorge: Ich hatte erst bei unserem letzten Aufenthalt elf meiner Gemälde in der nahe gelegenen Gallery of Matlacha für den Verkauf deponiert. Wir erkundigten uns bei der Galeristin, ob wir sie abholen sollten. Sie verneinte das, weil sie gesichert seien. Wir vertrauten ihr – zweiter großer Fehler!

Entscheidung zuhause bleiben oder ab ins Shelter?

Am Dienstag, dem 27. September, spitzte sich die Lage innerhalb weniger Stunden dramatisch zu. Um 11 Uhr war Hurricane Ian bereits ein Hurrikan der Kategorie 3 mit 115 mph. Für Cape Coral galten Hurricane Warning und Storm Surge Warning, während der Landfall noch für Mittwochabend erwartet wurde. Gegen 13:45 Uhr erweiterte Lee County die verpflichtende Evakuierung auf die Zonen A und B sowie Teile der Zone C.

Wir wohnen in Zone A und wurden somit zur Evakuierung aufgefordert. Eine Mandatory Evacuation ist rechtlich verbindlich und solch eine verpflichtende Evakuierung ist ernst zu nehmen. In der Praxis wird man meist nicht aus dem Haus geholt, aber ab einem bestimmten Zeitpunkt fahren Rettungsdienste nicht mehr – wer bleibt, bleibt auf eigenes Risiko.

Das diskutierten wir mit unseren Freunden in Südwest Cape Coral. Sie leben in einem alten Haus, haben aber die Möglichkeit zu ihren Nachbarn in einem neueren Haus zu gehen, falls es zu schlimm wird. Bei Hurricane Irma 2017 waren wir zuhause geblieben und fühlten uns damals recht sicher in unserem neuen Haus. Man muss wissen, dass neuere Häuser heute mit zahlreichen sturmsichernden Maßnahmen gebaut werden. Allein unsere „hurricane impact resistant“ Fenster und Schiebetüren waren für hohe Windlasten ausgelegt und gegen den Aufprall herumfliegender Trümmer geprüft.

Weil wir nicht mit Hund, Katz und Maus in eine Turnhalle wollten und nach dem Sturm nicht ewig auf Freigabe der betroffenen Gebiete zur Rückkehr warten wollen, beschlossen wir schließlich dazubleiben. Wir füllten alle größeren Gefäße im Haus mit Wasser, probierten noch einmal den Generator aus, fuhren unser Auto mit der Stoßstange direkt ans Garagentor, damit der Wind keine Chance hat, es zu öffnen, stellten Kerzen und Radio bereit und verfielen in einen blinden Aktionismus. Immer wieder stellten wir in Frage, ob es richtig ist, zuhause zubleiben. Wir beobachteten die Nachbarn und fühlten uns bestätigt, wenn hier und dort Licht zu sehen war, als es dunkel wurde. 

Am späten Nachmittag verlagerte sich der prognostizierte Pfad von Hurricane Ian deutlich nach Süden. Ian erreichte 120 mph, der Landfall wurde nun nahe Englewood und bereits für Mittwochnachmittag erwartet. Die Behörden warnten vor lebensgefährlicher Sturmflut, katastrophalen Winden und Überschwemmungen und forderten die Bevölkerung am Abend auf, spätestens um 20 Uhr Schutz zu suchen. In der Nacht verstärkte sich Ian weiter. An Schlaf war schon nicht mehr zu denken, denn es wurde zunehmend lauter unter unserem Metalldach.

Der Tag, an dem Hurricane Ian kam

Am Mittwochmorgen, dem 28. September 2022, schalteten wir als erstes Wink News ein. Die Hurricane Hunter meldeten zunächst Kategorie 4 mit 140 mph. Gegen 7 Uhr lagen die Windgeschwindigkeiten bereits bei 155 mph, knapp unter der damaligen Kategorie 5 Grenze. Gleichzeitig wurde für den Abschnitt von Englewood bis Bonita Beach eine Sturmflut von zunächst 12 bis 16 ft, später sogar 12 bis 18 ft prognostiziert. Heute wissen wir, dass die NHC-Angabe die mögliche Wasserhöhe über normalerweise trockenem Boden bezeichnet – nicht den Abstand von der normalen Wasseroberfläche im Kanal. Wellen können zusätzlich darüber hinausreichen.

Das machte uns nun wirklich große Angst. Wir errechneten, wie hoch das Wasser steigen würde, wenn das hier eintrifft und überlegten, wie wir uns schlimmstenfalls retten könnten. Wir haben am Hauseingang innen eine 8 ft hohe Trennwand. Zusammen mit den geschätzten 8 ft bis zum Referenzpunkt könnte das reichen, um uns daraufsetzend in Sicherheit zu bringen. Allerdings wussten wir überhaupt nicht, von wo gemessen wird. Ob damit die Wasseroberfläche im Kanal gemeint ist, die Straßenhöhe oder sonst was. Zum Glück mussten wir diese Rechnung am Ende nicht in der Realität überprüfen.

Gegen 9:40 Uhr galt „Shelter in Place“, wenig später stellten Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste ihre Einsätze ein. Um 11 Uhr traf die Eyewall bereits auf die Küste. Die Eyewall ist der Ring aus besonders starken Gewittern und Winden rund um das vergleichsweise ruhige Auge des Hurricanes. Um 15 Uhr lag Ian nur noch rund 20 Meilen westlich von Fort Myers.

Gelegentlich riefen wir uns mit unseren Freunden zusammen und schauten Wetterbericht – einen nach dem anderen, stundenlang. Wink News hat hier einen wirklich großartigen Job gemacht. Ruhig, sachlich, mit Infos über andere Standorte und Prognosen. Wink News war an diesem Tag unsere wichtigste Verbindung nach draußen.

Das Auge von Hurricane Ian so gut wie über uns

Um 15:05 Uhr ging das Auge bei Cayo Costa als Hurricane der Kategorie 4 mit etwa 150 mph an Land, gegen 16:35 Uhr folgte der zweite Landfall nahe Pirate Harbor mit 145 mph und damit unweit von uns entfernt. Später wurde Ian rückwirkend kurzzeitig als Kategorie 5 eingestuft, beim Landfall blieb er jedoch Kategorie 4. Wir wussten ja bereits, dass es bei Überzug des Auges ruhig werden würde und es ein Trugschluss ist, alles überstanden zu haben. Bis hierhin waren die Geschehnisse aushaltbar.

Da wir sturmsichere Fenster hatten und keine Shutter davor brauchten, konnten bzw. mussten wir alles mit anschauen. Das Wasser im Kanal war wirklich wild, ab und zu schoss ein Boot vorbei, das sich von einem Bootsdock der hinter uns liegenden Grundstücke gelöst hatte. Bei zwei Canopies, welche von den Besitzern nicht entfernt wurden, schlugen die Dächer um sich bis sie schließlich zerfetzt und abgerissen wurden. Diese Geräusche alleine waren sehr laut und nervig.

Die Palmen, oh Gott die armen Palmen taten uns in der Seele leid. Am liebsten hätten wir sie alle reingeholt. Dachziegel wurden von den Häusern abgedeckt, ein Pool Cage nach dem anderen wurde zerstört. Auch bei uns waren schon zwei Felder gerissen und die Streben leicht geknickt. Im Flur peitschte der Regen das Wasser durch die Eingangstür und es wurde zudem durch das Fundament von unten gedrückt. Alle Handtücher kamen hier zum Einsatz. Ansonsten? Es ging, wir haben es bald geschafft. Irrtum!

Rückseitige Eyewall nicht zu unterschätzen

Das große Auge von Hurricane Ian zog am späten Nachmittag knapp nördlich an Cape Coral vorbei, was uns ein wenig Aufatmen bescherte. Danach drehte der Wind deutlich und Ian bewegte sich mit nur rund 9 mph sehr langsam. Die rückseitigen, nun überwiegend aus westlicher Richtung kommenden Orkanböen hielten noch etwa unendlich lange drei Stunden an – umrahmt von weiteren heftigsten Windgeschwindigkeiten und Windböen.

Das Wasser im Kanal stieg höher und höher. Ich erinnere mich nicht mehr, wann genau, aber in diesem Zeitabschnitt fiel dann auch der Strom aus. Unser Fernsehsupport fiel aus und wir fühlten uns allein gelassen. Zum Glück hatten wir extra für solche Zwecke ein altes Transistorradio, das zwar nicht mehr so komfortabel ist, aber dennoch informiert.

Irgendwann am späten Nachmittag gab es ein seltsames knirschendes Geräusch außen. Ich registrierte, wie der Cage scheinbar in Zeitlupe in sich zusammenbrach. Das machte fassungslos und löste eine unbeschreibliche Angst aus. Kreuz und quer lagen nun die Aluminiumstreben über dem Pool. Was, wenn eine Böe eine solche Strebe in die Fenster rammt.

Sobald der Wind im Haus ist, sagt man, hat man verloren. Nun begannen die schlimmsten Stunden. Wir hielten uns ausschließlich in einem Flurbereich ohne Fenster auf und hatten dabei wirklich große Angst um das eigentlich sichere Metalldach oder dass etwas durch die Fenster geschossen kommt. Ja, wir hatten kurzzeitig Todesangst und schworen uns, nie wieder bei einem Hurrikan vor Ort zu bleiben.

Bestandsaufnahme nach dem Sturm

In der Nacht beruhigte sich die Lage nach und nach. Vor lauter Erschöpfung fielen wir ein paar wenige Stunden in den Schlaf. Am nächsten Morgen machten wir weinend eine Bestandsaufnahme von Hurricane Ian: Pool Cage kaputt, Wasseraufbereitungsanlage kaputt, Pflanzen kaputt bis armselig, Poolanlage mit Schäden, Dach vom Boot weg, Pool total verdreckt, einige Dachrinnen und Dachverkleidungen weg und zerstört, Terrassen und Gartenbeleuchtungen zerstört weitere kleinere Schäden.

Schäden am Haus und in der Umgebung

Damit hatten wir im Vergleich zu vielen unserer Mitmenschen auf Pine Island, Matlacha, Sanibel, Captiva, Fort Myers Beach sehr viel Glück und sind glimpflich davongekommen. In unserer unmittelbaren Umgebung sah es überall ebenso aus. Mehr Pool Cages waren beschädigt oder zerstört, als noch unversehrt standen, die Vegetation war ein Trauerspiel und hunderte von Ziegel- und Schindeldächern waren zerstört.

Schäden an der Infrastruktur

Die Schäden an der Infrastruktur sorgten für Internet- und Stromausfall. Die Strommasten ganzer Straßenzüge lagen auf der Straße. Boote wurden ebenfalls hier und dort auf der Straße, im Garten oder eben nicht an ihrem Platz gefunden. Überall hingen Kabel herunter. Es dauerte zwei Wochen, bis der Strom wieder da war und drei Wochen, bis das Internet wieder funktionierte. Für uns als selbstständige Webseitenbetreiber war das eine Katastrophe.

Über den Generator hatten wir zwar theoretisch Strom, nur lief der mit Gas oder Benzin. Beide Vorräte halten natürlich nicht so lange. Stundenlanges Anstehen an den Tankstellen, die erst nach und nach wieder mit Strom versorgt wurden, war an der Tagesordnung. So jedenfalls konnten wir unseren Kühlschrank am Laufen halten und die wichtigsten Geräte bedienen. Zum Arbeiten fuhren wir mit unseren Laptops in den Sam‘s Club. Dort gab es Internet und so hatten wir vorübergehend ein neues Büro im Imbissbereich.

Mein persönlich größter Verlust

Mein wohl größter Verlust durch Hurricane Ian ist meine Gemäldesammlung, die ich nicht in Sicherheit gebracht hatte. Die Galeristin lagerte sie in ihrem Privathaus in Matlacha. Es wurde wie so viele andere Gebäude in diesem kleinen Künstlerort vollständig zerstört und vom Pine Island Sound davongetragen. Das eine, welches zum Zeitpunkt des Sturms in der Galerie hing, konnten wir mithilfe eines Bootstrupps retten. Der 36 x 48 inch große Papagei hat die Sturmflut unbeschadet überstanden.

Aufräumarbeiten und Wiederherstellung

Gleich am nächsten Tag versuchten wir Kontakt zu unserer Versicherung aufzunehmen, weil wir gehört hatten, dass hier „wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ wörtlich eintreffen kann. Das passiere, wenn die Versicherungen während solch eines Ansturms pleitegehen. Das ist aber nicht richtig, denn bei einer Insolvenz übernimmt dann die FIGA grundsätzlich die Bearbeitung berechtigter, gedeckter Ansprüche innerhalb der gesetzlichen Grenzen.

Der Schaden sollte natürlich trotzdem sofort gemeldet werden, aber nicht, weil Ansprüche schlicht nach dem Windhundprinzip bezahlt würden. Der sogenannte Adjuster (Gutachter) kam dann auch gefühlt recht schnell, um die Schäden aufzunehmen.  

Ein freundlicher Nachbar, dessen Zerstörung nicht ganz so tragisch war, half uns inzwischen, das sperrige umfangreiche Cage-Material auseinanderzubauen und an den Straßenrand zu transportieren. Das Aluminium lag nicht lange da. Geschäftstüchtige Menschen sammelten es ein, um es gegen nicht wenig Geld beim Wertstoffhandel einzutauschen. So haben wir leider eine 4-stellige Summe verschenkt, wie wir später erfuhren.   

Die Kosten für alles Erdenkliche waren unglaublich hoch. Deswegen machten wir so viel wie möglich selber. Die Wasseraufbereitung und Poolanlage konnten wir in den kommenden Tagen und Monaten selbst reparieren, das Bootsdach fanden wir im Kanal und reparierten auch das. Die Poolreinigung erforderte einiges an Chemie. Einige Schäden wie die kaputten Dachrinnen mussten wir allerdings reparieren lassen. Den Garten brachten wir ebenfalls in den kommenden Wochen nach und nach wieder in Form.

Was wir heute anders machen würden

Royal Poinciana
Royal Poinciana nach Ian

Wir haben eigentlich recht viel richtig gemacht. Der folgenschwerste Fehler aber war, dazubleiben. Das wird uns nicht noch einmal passieren. Bei einem Hurricane von der Größenordnung Ians werden wir uns künftig rechtzeitig in Sicherheit bringen. Bereits zwei Jahre später haben wir das bei Milton so gehandhabt – und es war deutlich besser.

Weil Hurricane Milton ein sehr großes Windfeld hatte, fuhren wir bis Savannah. Natürlich waren wir angespannt, verfolgten ständig die Entwicklung und sorgten uns um unser Haus. Der entscheidende Unterschied war jedoch: Wir mussten nicht um unser Leben fürchten und diese Stunden im Sturm kein zweites Mal durchstehen.

Für die Zeit nach einem Hurricane halten wir seit Ian außerdem größere Vorräte an Gas und Benzin bereit. Viel mehr haben wir nicht verändert. Die wichtigste Lehre aus Ian ist für uns eindeutig: Wenn ein Sturm dieser Größenordnung droht, gehen wir.

Ian hat unseren Blick auf Florida verändert, aber nicht unsere Verbundenheit mit diesem Ort.

Quellen: Überarbeiteter NHC-Abschlussbericht von 2026 und After-Action Report von Lee County

Autor
Angela Struck

Angela Struck

Angela Struck ist Mitgründerin von Florida-Scout und als Chefredakteurin verantwortlich für Inhalte rund um Reisen, Tipps und Highlights in Florida.

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